Dreszer muss Karriere beenden - demnächst Torwarttrainer?
Volksstimme vom Sa, 14.06.2003 - Author:
Magdeburg - Im Wohnzimmer von Miroslav Dreszer in Hermsdorf steht ein französischer Rotwein, Marke Chateau Reverdi: "Ein Geschenk eines guten Freundes von 1994. Die Flasche soll erst dann geöffnet werden, wenn ich meine Karriere beende", erzählt der 37-jährige Torhüter des 1. FC Magdeburg. So wie es aussieht, ist es bald soweit. Leider. Denn Dreszer wird wohl nie mehr in den Kasten eines Fußballvereins zurückkehren. Rückblick: Der gebürtige Pole, der seit 1998 für den FCM kickt, zog sich am Sonnabend, den 23. Februar 2002 im Training - das fällige Punktspiel gegen den FC Erzgebirge Aue war ausgefallen - im linken Knie eine Verletzung zu, die sich später als Kreuzbandriss entpuppte. "Es war", so der Keeper, "erst die dritte schwere Verletzung in meiner 20jährigen Laufbahn überhaupt." Doch die hatte es in sich. Trotz zweier Eingriffe, diverser Reha-Maßnahmen und mehrerer Comeback-Versuche musste Dreszer einsehen: Es geht nicht mehr - nach 185 Erstligaeinsätzen in Polen sowie Engagements in Osnabrück und eben Magdeburg. "Bei stärkerer Belastung sind die Schmerzen sofort wieder da", weiß der Torhüter. Da der Vertrag zum 30. Juni ohnehin ausläuft, kommt der neue Lebensabschnitt nicht unverhofft. Doch Dreszer, der noch von der Berufsgenossenschaft bezahlt wird, ist noch unschlüssig, wie es bei ihm konkret weiterläuft. Zumindest sind sich Ehefrau Mariola und er einig darüber, wegen der beiden Söhne Dominik (15) und Mateusz (12) in der näheren Umgebung von Magdeburg zu bleiben. "Ich schaue jetzt mehr auf die Kinder, nicht nur auf mich", macht er deutlich. Eine Rückkehr nach Polen ist nicht ausgeschlossen, momentan aber kein Thema. Vor einigen Tagen hat er ein Gespräch mit dem neuen FCM-Präsidenten Ingolf Nitschke geführt. "Er will versuchen, eine Lösung zu finden, mir zu helfen. Vielleicht kann ich zur neuen Saison als Torwarttrainer einsteigen", hofft Dreszer, der auch schon einige Trainingseinheiten in der Torwartschule von Chefcoach Dirk Heyne absolviert hat, hier ebenfalls ein mögliches Betätigungsfeld sieht. Sein Engagement bei der D-Jugend des SSV Santersleben-Hermsdorf, wo Sohnemann Mateusz kickt, ist dagegen nur als Hobby zu betrachten. Auf alle Fälle wird Dreszer finanziell kürzer treten müssen. Doch dazu ist er bereit. Und er will auch dem FCM die Treue halten, obwohl er nicht verhehlt, dass er ein wenig enttäuscht ist, weil sich in den letzten Wochen und Monaten vom Club keiner so recht um ihn gekümmert, er sogar die Kündigung erhalten hat. Dabei, so betont der Keeper, gehörte er zu den wenigen Spielern, die sich in der schweren Krisenzeit vor der Insolvenz an zahlreichen Hilfsaktionen beteiligt hatten. Und es gab noch ein anderes Problem im Hause Dreszer - die bislang befristete Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland. Ende Juli hat aber auch hier das Zittern ein Ende, er darf bleiben. Und wann trinkt Dreszer nun seine Flasche Rotwein? "Die lasse ich vorläufig noch verschlossen, denn so ganz kann ich mich mit meinem Karriereende noch nicht abfinden", gibt er freimütig zu.



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